Ein Spiegel wird ausgetauscht, oder die Wohnung wird aufgelöst, und die naheliegende Annahme ist: Glas kommt ins Altglas. Bei einem Spiegel stimmt das nicht – und das ist einer der häufigsten Irrtümer bei der Entsorgung in der Schweiz.
Warum Spiegel nicht ins Altglas gehören
Laut Swiss Recycling, der nationalen Dachorganisation für Schweizer Recyclingsysteme, gehören "Trinkgläser, Glasschüsseln, Spiegel- und Fensterglas sowie Autoscheiben" ausdrücklich nicht in die Glassammlung, weil sie eine andere chemische Zusammensetzung haben als Verpackungsglas – sie schmelzen bei anderen Temperaturen und würden die ganze Charge Recyclingglas verunreinigen. Ein einzelner falsch eingeworfener Spiegel kann im schlimmsten Fall eine ganze Ladung Altglas unbrauchbar machen.
Wohin dann? Kleinere Spiegel und Spiegelscherben gehören laut Swiss Recycling in den normalen Hauskehricht (gut in Zeitungspapier oder Karton eingewickelt, damit sich niemand bei der Abfuhr schneidet). Grössere, gerahmte Wandspiegel oder Standspiegel zählen dagegen als Sperrgut, genau wie andere Möbelstücke – bei sehr grossen Mengen Glas kommt auch die Bauschuttmulde infrage.
Was Spiegel entsorgen in Schweizer Städten kostet
Ein grösserer, gerahmter Spiegel läuft über dasselbe Sperrgut-System wie andere Möbelstücke: Marke kaufen, aufkleben, bereitstellen – oder selbst zum Recyclinghof bringen. Kleine, ungerahmte Spiegel ohne Sperrgut-Charakter kannst du dagegen oft direkt im Kehrichtsack entsorgen, sofern die Gemeinde das erlaubt.
| Stadt | System | Kosten |
|---|---|---|
| Zürich | Bringen zum Recyclinghof oder Abholung durch ERZ | CHF 22.70 für die ersten 100 kg, danach CHF 19.45/100 kg; Abholung CHF 86.50 pro 15 Min. |
| Genf | Kostenlose Abholung nach Anmeldung | Gratis (max. 7 Gegenstände, ein Termin alle 7 Tage) |
| Basel | Vignette oder Recyclingpark | CHF 5.00 pro 10 kg |
| Lausanne | Nur Bringen zur Déchèterie | Gratis bei Selbstanlieferung |
| Bern | Kleinsperrgutmarke oder Abholdienst | Abholdienst CHF 70.27 Pauschale, danach CHF 54.05/5 Min. |
| Winterthur | Sperrgutmarke mit der Kehrichttour | CHF 1.80 bis 5 kg, CHF 3.60 bis 10 kg, CHF 5.40 bis 20 kg |
| Luzern | Sperrgutmarke oder Ökihof | CHF 1.80 pro 5 kg (Bogen à 5 für CHF 9.–) |
| St. Gallen | Sperrgutmarke mit der Kehrichtsammlung | CHF 8.60 pro Marke (bis 200×90×40 cm) |
| Lugano | Nur zum Ecocentro bringen (Ecocard nötig) | Gratis bei Selbstanlieferung |
| Biel | Vignette mit dem Kehricht | CHF 1.60 pro Vignette (Bogen à 10 für CHF 16.–) |
| Thun | Sperrgutmarke mit der Kehrichtabfuhr | CHF 7.80 pro Marke (bis 2 m, max. 30 kg) |
| Schaffhausen | Kleinere Stücke = 1 Marke | CHF 5.00 pro Marke |
| Chur | Abholung durch den Werkbetrieb oder Multisammelstelle | CHF 110.– (Kerngebiet) bzw. CHF 130.–, zzgl. CHF 0.30/kg |
| Uster | Sperrgutmarke nach Grösse | CHF 3.00 pro Marke |
Stand August 2026, direkt bei den Gemeinden geprüft. Verpacke einen zerbrochenen Spiegel für den Kehrichtsack immer bruchsicher – scharfkantige Scherben sind eines der häufigsten Verletzungsrisiken für das Abfuhrpersonal.
Der Denkfehler: Ein Spiegel ohne Sprung ist kein Abfall
Ein Wandspiegel oder ein grosser Standspiegel ohne Sprünge oder Trübung ist eines der unkompliziertesten Stücke, die sich verschenken lassen – er hat keine beweglichen Teile, keine Polster, keine Elektrik, die kaputtgehen kann. Gerade grosse Ganzkörperspiegel sind neu im Möbelhaus nicht ganz günstig und sperrig zum Heimtransportieren, was sie zu einem der gefragtesten Gratis-Artikel überhaupt macht.
So verschenkst du deinen Spiegel
Stell ihn auf Pikitup ein – Foto von vorne (ohne störende Reflexionen, am besten mit leicht schrägem Blickwinkel fotografiert), exakte Masse und Material des Rahmens. Erwähne explizit, ob der Spiegel verklebt an der Wand befestigt war oder frei hängt beziehungsweise steht – das ist für den Transport relevant und wird fast immer nachgefragt.
Wickle den Spiegel für die Abholung transportsicher ein, etwa in eine Decke oder Bettwäsche, und weise die abholende Person darauf hin, ihn stehend und nicht liegend zu transportieren, um Bruch zu vermeiden. In Zürich, Basel und Genf sind grosse Spiegel erfahrungsgemäss schnell vergeben, besonders bei Erstwohnungen und WG-Neueinrichtungen. Mehr generelle Tipps gibt unser Artikel Tipps für erfolgreiche Gratis-Inserate.
Wann er wirklich in die Sperrgutabfuhr gehört
Ein gesprungener oder stark blind gewordener Spiegel (die Silberschicht blättert sichtbar ab, es entstehen dunkle Flecken) ist für die meisten Interessierten keine Option mehr – hier ist die kostenpflichtige Entsorgung oder eben der bruchsichere Kehrichtsack ehrlicherweise der richtige Weg. Auch ein Rahmen mit erheblichen Schäden gehört nicht in ein Inserat.
Was du nicht tun solltest: einen Spiegel einfach mit einem Zettel ans Trottoir stellen. Das gilt rechtlich als illegale Entsorgung, unabhängig von der Absicht dahinter – mehr dazu in «Gratis zum Mitnehmen» auf der Strasse: leider verboten. Zerbrochenes Spiegelglas ist dabei zusätzlich ein Verletzungsrisiko für Passant:innen.
Was du damit sparst
Ein grosser, gerahmter Spiegel kostet dich als Sperrgut je nach Stadt und Gewicht zwischen CHF 5 und deutlich über CHF 50. Verschenkt: CHF 0 – für etwas, das im Möbelhaus neu schnell CHF 50 bis 200 kostet. Die ganze Bandbreite an Sperrgut-Kosten und die gratis Alternative dazu erklärt unser Grundlagen-Artikel Sperrgut entsorgen: Was es kostet – und wie du es gratis loswirst.
Kurz zusammengefasst
- Spiegelglas gehört nicht ins Altglas – kleine Stücke bruchsicher in den Kehricht, grosse gerahmte Spiegel zum Sperrgut.
- Ohne Sprung oder Trübung? Verschenke ihn über Pikitup.
- Beim Transport immer stehend, nie liegend – Bruchgefahr.
- Nur ein wirklich beschädigter Spiegel gehört kostenpflichtig zur Sperrgutabfuhr oder in den Kehricht.
So findet dein Spiegel ein neues Zuhause, statt fälschlicherweise im Altglas zu landen, wo er ohnehin nicht hingehört.