Ein altes Sofa, ein kaputtes Regal, die ausrangierte Matratze: Irgendwann steht jeder vor der Frage, wohin damit. Und wer zum ersten Mal die Preise für die Sperrgut-Entsorgung nachschaut, staunt nicht schlecht. In der Schweiz gilt das Verursacherprinzip – wer Abfall produziert, zahlt dafür. Bei Sperrgut kann das richtig ins Geld gehen.
Bevor du zahlst, lohnt sich aber eine einfache Frage: Ist das überhaupt Abfall? Vieles, was als Sperrgut endet, würde jemand anderes sofort abholen – gratis, und ohne dass du auch nur einen Finger krümmen musst. Aber der Reihe nach.
Was Sperrgut-Entsorgung wirklich kostet
Die Gebühren unterscheiden sich je nach Stadt und Weg, aber die Grössenordnung ist überall ähnlich. Ein paar Beispiele aus Zürich:
- Selbst zum Recyclinghof bringen: CHF 22.70 für die ersten 100 kg, CHF 19.45 für jede weiteren 100 kg. Klingt fair – setzt aber voraus, dass du ein Auto hast und das 40-Kilo-Sofa die Treppe runterbringst.
- Abholung durch ERZ (Entsorgung + Recycling Zürich): CHF 86.50 pro Viertelstunde Ladezeit. Ein Sofa plus Schrank plus Kleinkram ist schnell eine Dreiviertelstunde.
- Private Entsorgungsfirmen: je nach Menge zwischen CHF 100 und CHF 500, bei ganzen Wohnungsräumungen deutlich mehr. Durchschnittswerte liegen um CHF 450.
In Bern, Basel, Luzern oder St. Gallen sehen die Tarife im Detail anders aus, aber das Prinzip ist gleich: Bringen ist günstiger als abholen lassen, und beides kostet. Dazu kommen Regeln, die man kennen muss – in Zürich darf ein einzelnes Sperrgutstück zum Beispiel maximal 2,5 Meter lang und 40 kg schwer sein.
Der Denkfehler: Gebrauchsfähig ist nicht gleich Abfall
Hier passiert der teuerste Fehler. Ein Sofa mit Gebrauchsspuren, ein Billy-Regal mit einem Kratzer, ein Esstisch, der nicht mehr zum neuen Wohnstil passt – das ist alles kein Abfall. Das sind Dinge, die in jeder Schweizer Stadt aktiv gesucht werden. Studenten, Zuzügler, junge Familien: Es gibt immer jemanden, der genau das braucht, was du loswerden willst.
Wenn du es entsorgst, zahlst du dafür, dass etwas Brauchbares geschreddert wird. Wenn du es verschenkst, zahlst du nichts – und die Abholung übernimmt die Person, die sich über den Fund freut.
So wirst du Sperrgut gratis los
Der einfachste Weg: Stell es auf Pikitup ein. Foto machen, kurze Beschreibung, ungefährer Standort – fertig. Dein Artikel erscheint auf der Karte, und Leute aus deinem Quartier sehen sofort, dass bei dir etwas zu holen ist. Gerade bei Möbeln geht das oft erstaunlich schnell: Sofas, Regale und Tische gehören zu den gefragtesten Kategorien.
Ein paar Tipps aus Erfahrung:
Plane zwei bis drei Wochen Vorlauf ein. Ein Sofa ist meist innert Tagen weg, aber nicht immer am selben Abend. Wer erst am Tag vor der Wohnungsübergabe inseriert, gerät unnötig unter Druck. Mehr dazu in unseren Tipps für erfolgreiche Gratis-Inserate.
Sei ehrlich bei Mängeln. Ein Fleck oder ein wackliges Bein schreckt bei Gratis-Artikeln kaum jemanden ab – eine böse Überraschung bei der Abholung schon.
«Muss bis Samstag weg» wirkt. Ein klares Abholfenster beschleunigt alles.
Und was wirklich niemand mehr will – durchgelegene Matratzen, schimmlige Möbel, Defektes ohne Bastlerwert – gehört dann tatsächlich zum Recyclinghof. Aber erst dann.
Was du damit sparst
Rechnen wir das Beispiel Wohnungswechsel durch: Sofa, Kleiderschrank, Esstisch, zwei Regale. Als Sperrgut abgeholt bist du je nach Stadt und Anbieter schnell CHF 150 bis 400 los. Verschenkt: CHF 0, und alles wird direkt aus der Wohnung getragen. Dazu kommt der Umwelteffekt – die Schweiz produziert pro Kopf mit am meisten Abfall in Europa, und Wiederverwendung ist der wirksamste Hebel dagegen.
Übrigens: Die Sachen einfach mit einem «Gratis zum Mitnehmen»-Zettel auf das Trottoir zu stellen, ist keine Alternative – das gilt rechtlich als illegale Entsorgung und kann teuer werden. Warum, liest du in unserem Artikel «Gratis zum Mitnehmen» auf der Strasse: leider verboten.
Kurz zusammengefasst
- Prüfe zuerst, ob dein Sperrgut noch brauchbar ist – meistens ja.
- Verschenke es über Pikitup, mit zwei bis drei Wochen Vorlauf.
- Nur was wirklich niemand nimmt, gehört kostenpflichtig entsorgt.
Dein Portemonnaie freut sich, die Umwelt auch – und irgendwo in deinem Quartier sitzt bald jemand glücklich auf deinem alten Sofa.