Wir alle kennen das Szenario: Die WG löst sich auf. Vielleicht zieht jemand in eine andere Stadt, vielleicht will jemand endlich alleine wohnen, vielleicht funktioniert es einfach nicht mehr. Und plötzlich steht ihr vor der Frage: Wem gehört eigentlich das Sofa?
Ich habe drei WG-Auflösungen hinter mir. Jede war chaotisch, aber jede hat mich etwas gelehrt. Hier ist, was ich dabei gelernt habe.
Das Inventar-Problem
In jeder WG gibt es drei Kategorien von Sachen: Dinge, die jemandem klar gehören. Dinge, die irgendwann irgendwer mitgebracht hat und niemand mehr weiss wem sie gehören. Und Dinge, die gemeinsam gekauft wurden.
Die erste Kategorie ist einfach – wer's mitgebracht hat, nimmt's mit oder verschenkt es selbst. Die anderen beiden Kategorien werden zum Streitpunkt, wenn man nicht aufpasst.
Mein Rat: Macht früh eine Liste. Setzt euch zusammen und geht durch die Wohnung. Bei jedem Gegenstand: Wem gehört das? Wer will es haben? Niemand? Dann kommt es auf die "zu verschenken"-Liste.
Dieses Gespräch ist manchmal unangenehm, aber es verhindert grösseren Stress später. Und es bringt oft überraschende Erkenntnisse – vielleicht will die eine Person unbedingt die Lampe behalten, die alle anderen für hässlich halten. Problem gelöst.
Gemeinsam gekaufte Sachen
Das ist der knifflige Teil. Vor zwei Jahren haben wir zusammen ein Sofa gekauft, 300 Franken, jeder hat 100 bezahlt. Jetzt will jemand alleine wohnen und das Sofa mitnehmen. Wie rechnet man das?
Meine Erfahrung: Vergiss die Mathematik. Gebrauchte Möbel sind fast nichts wert. Das Sofa, das ihr vor zwei Jahren für 300 Franken gekauft habt, bekommt ihr vielleicht noch für 50 verkauft – wenn überhaupt.
Der fairste Weg: Wer es will, bekommt es. Wenn mehrere es wollen, lost oder einigt euch. Wenn niemand es will, verschenkt es gemeinsam.
Streitet nicht um Geld bei gebrauchten Sachen. Der emotionale Aufwand ist den finanziellen Wert nicht wert.
Der Zeitdruck
WG-Auflösungen haben meistens ein Datum. Der Mietvertrag endet, die neuen Wohnungen warten. Das bedeutet Zeitdruck, und Zeitdruck führt zu schlechten Entscheidungen.
Ich habe einmal ein funktionierendes Bücherregal weggeworfen, weil am letzten Tag niemand Zeit hatte, es abzuholen. Das war dumm und unnötig.
Der bessere Ansatz: Fangt früh an. Sobald klar ist, dass die WG sich auflöst – auch wenn das erst in zwei Monaten ist – beginnt mit dem Aussortieren. Stellt die ersten Sachen online, testet was funktioniert.
Je früher ihr anfangt, desto mehr Optionen habt ihr. Und desto weniger landet am Ende im Container.
Das emotionale Gepäck
Eine WG aufzulösen ist selten nur logistisch. Da hängen Erinnerungen dran. Der Tisch, an dem ihr hundert Abendessen zusammen hattet. Das Sofa, auf dem ihr Filme geschaut habt. Die Pflanze, die irgendwie fünf Jahre überlebt hat.
Es ist okay, das zu fühlen. Aber lass die Emotionen nicht die Entscheidungen blockieren. Die Erinnerungen verschwinden nicht, nur weil der Tisch geht.
Manchmal hilft es, ein Foto zu machen. Von der WG, vom Zimmer, von den Sachen die gehen. Das klingt kitschig, aber es macht das Loslassen einfacher.
Praktische Tipps für die Auflösung
Was bei meinen WG-Auflösungen funktioniert hat:
Macht einen gemeinsamen PIKITUP-Account oder postet abwechselnd. So wird niemand allein mit der Arbeit belastet. Und ihr könnt gemeinsam entscheiden, was wann gepostet wird.
Koordiniert die Abholungen. Wenn mehrere Sachen am gleichen Tag abgeholt werden, ist einer von euch da und regelt alles. Das ist effizienter, als wenn jeder seine eigenen Zeiten macht.
Für den letzten Tag: Plant einen Puffer. Wenn ihr um 12 Uhr die Wohnung übergeben müsst, sollte um 10 Uhr alles weg sein. Nicht um 11:55.
Und wenn wirklich was übrig bleibt: Stellt es vor die Tür mit einem "Gratis"-Zettel. In den meisten Städten ist das toleriert, solange es brauchbare Sachen sind und nicht Müll.
Was mit dem Rest passiert
Manchmal bleibt Zeug übrig, das niemand will und das auch keiner abholt. Das passiert.
Für grössere Mengen: Ruft das Brockenhaus an. Die meisten haben einen Abholservice. Caritas, Heilsarmee, lokale Brockis – irgendwer nimmt es meistens.
Für Elektroschrott und kaputte Sachen: Die städtischen Sammelstellen. Das kostet manchmal etwas, aber es ist der korrekte Weg.
Und für das Allerschlimmste – also wenn wirklich viel zusammenkommt – gibt es Entrümpelungsdienste. Kostet 500-1000 Franken, aber manchmal ist das den Frieden wert.
Ein letzter Gedanke
WG-Auflösungen sind stressig, aber sie sind auch eine Chance. Eine Chance, sich von Sachen zu trennen, die schon lange hätten gehen sollen. Eine Chance, anderen Menschen eine Freude zu machen. Und eine Chance, den nächsten Lebensabschnitt mit weniger Ballast zu beginnen.
Nutzt die Gelegenheit. Und wenn ihr dabei auf PIKITUP postet, macht ihr nicht nur euch das Leben leichter, sondern auch anderen.
Habt ihr eure eigenen WG-Auflösungs-Geschichten? Ich bin neugierig – hello@pikitup.com