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Verschenken vs. Verkaufen: Wann sich was lohnt

Sollst du deine alten Sachen verkaufen oder einfach verschenken? Eine ehrliche Abwägung von Aufwand, Ertrag und anderen Faktoren.

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David Novotny

25. Januar 2025

Verschenken vs. Verkaufen: Wann sich was lohnt

Jedes Mal, wenn ich etwas loswerden will, stehe ich vor der gleichen Frage: Verkaufen oder verschenken? In der Theorie klingt Verkaufen besser – du bekommst ja Geld dafür. In der Praxis ist es oft komplizierter.

Hier ist meine ehrliche Rechnung, wann sich was lohnt.

Der versteckte Aufwand beim Verkaufen

Verkaufen kostet Zeit. Das vergessen viele.

Du musst Fotos machen, eine Beschreibung schreiben, den Preis festlegen. Dann kommen die Nachrichten: "Ist das noch da?", "Geht auch weniger?", "Können Sie es liefern?". Manche Interessenten melden sich nie wieder, andere kommen nicht zum vereinbarten Termin.

Ich habe einmal versucht, einen Stuhl für 30 Franken zu verkaufen. Nach zwei Wochen Nachrichten beantworten, drei nicht erschienenen Interessenten und endlosen Preisverhandlungen habe ich ihn für 15 Franken verkauft.

Person hält Geldscheine
Person hält Geldscheine

Wenn ich die investierte Zeit rechne – vielleicht zwei Stunden insgesamt – waren das 7.50 pro Stunde. Weniger als jeder Mindestlohn.

Das ist das Paradox: Verkaufen fühlt sich produktiv an, ist aber oft weniger effizient als man denkt.

Wann Verkaufen Sinn macht

Trotzdem gibt es Fälle, wo Verkaufen die richtige Wahl ist.

Bei hochwertigen Sachen, die noch einen echten Wert haben. Ein gut erhaltenes Marken-Möbelstück, ein relativ neues Elektronikgerät, ein Designer-Stück. Wenn du realistisch 100 Franken oder mehr erwarten kannst, lohnt sich der Aufwand.

Bei Dingen mit einem klaren Markt. Spielkonsolen, iPhones, bestimmte Marken – diese Sachen verkaufen sich schnell, weil die Nachfrage konstant ist. Der Aufwand ist überschaubar.

Wenn du Zeit hast und es nicht eilig ist. Verkaufen braucht Geduld. Wenn du sechs Wochen warten kannst, bis der richtige Käufer kommt, kann es sich lohnen.

Wann Verschenken besser ist

In allen anderen Fällen – und das sind die meisten – ist Verschenken effizienter.

Bei IKEA-Möbeln und Standard-Haushaltswaren. Die Konkurrenz auf Verkaufsplattformen ist riesig, die Preise entsprechend niedrig. Für 20 Franken ein Billy-Regal zu verkaufen ist den Aufwand nicht wert. Verschenken geht schneller.

Bei Sachen in mittelmässigem Zustand. Wenn etwas Gebrauchsspuren hat, wird es schwer zu verkaufen. Die Leute erwarten für ihr Geld gute Qualität. Beim Verschenken sind Gebrauchsspuren okay.

Verschenk-Karton mit "Gratis"-Schild
Verschenk-Karton mit "Gratis"-Schild

Wenn du es schnell loswerden willst. Beim Umzug, bei der Wohnungsauflösung, wenn die Zeit drängt. Verschenken geht meistens viel schneller als Verkaufen, weil die Hemmschwelle für Interessenten niedriger ist.

Bei Sachen, die du loswerden musst. Manches willst du einfach nicht mehr im Haus haben. Ein altes Sofa, das Platz wegnimmt. Klamotten, die du nie mehr trägst. Der psychologische Wert, es loszuwerden, überwiegt den möglichen Verkaufserlös.

Die Zeitrechnung

Hier eine einfache Formel, die ich nutze:

Wie viele Stunden werde ich investieren, um das Ding zu verkaufen? Und wie viel werde ich dafür bekommen? Wenn der "Stundenlohn" unter 30 Franken liegt, verschenke ich.

Beispiel: Ein Regal, das ich vielleicht für 50 Franken verkaufen könnte. Geschätzter Aufwand: 2 Stunden (Fotos, Anzeige, Kommunikation, Abholung). Das sind 25 Franken pro Stunde. Verschenken ist einfacher.

Anderes Beispiel: Ein MacBook, das ich für 400 Franken verkaufen könnte. Geschätzter Aufwand: 2 Stunden. Das sind 200 Franken pro Stunde. Verkaufen lohnt sich.

Der emotionale Faktor

Manchmal geht es nicht ums Geld.

Wenn du weisst, dass deine Sachen jemandem helfen können, fühlt sich Verschenken gut an. Die Studentin, die sich keine neuen Möbel leisten kann. Die junge Familie, die jeden Franken zweimal umdrehen muss.

Ich habe einen Schreibtisch verschenkt, der noch gut war. Die Person, die ihn abgeholt hat, hat sich so gefreut, dass sie mir ein Foto geschickt hat, wie er in ihrem neuen Zimmer steht. Das war mehr wert als die 50 Franken, die ich vielleicht hätte bekommen können.

Der praktische Mittelweg

Was ich oft mache: Zuerst versuche ich, etwas zu verkaufen – aber mit einem Zeitlimit. Wenn es nach zwei Wochen nicht verkauft ist, reduziere ich den Preis drastisch oder verschenke es.

So bekommst du vielleicht noch etwas Geld für die wirklich guten Sachen, aber du bleibst nicht monatelang auf allem sitzen.

Und die Steuern?

Ein Wort zur Vollständigkeit: Private Verkäufe von Gebrauchtwaren sind in der Schweiz meistens steuerfrei, solange du keinen Gewinn machst (was du bei Gebrauchtem ja nicht tust – du verkaufst es unter Kaufpreis).

Wenn du aber regelmässig und in grossen Mengen verkaufst, könnte das Finanzamt Fragen stellen. Dann wird es komplizierter.

Beim Verschenken gibt es diese Frage gar nicht erst.

Fazit

Verkaufen lohnt sich bei hochwertigen Sachen, wo der erwartete Erlös den Aufwand rechtfertigt. In allen anderen Fällen ist Verschenken oft die klügere Wahl – schneller, einfacher, und manchmal auch befriedigender.

Die nächste Zeit, wenn du vor der Frage stehst, mach die Rechnung. Und im Zweifel: Verschenken und weiterleben ist auch eine gute Strategie.


Wie entscheidest du, was du verkaufst und was du verschenkst? Schreib mir – hello@pikitup.com

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