St. Gallen ist weit weg von Zürich – zumindest gefühlt. Die Stadt hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Identität. Und eine überraschend aktive Szene, wenn es ums Teilen und Verschenken geht.
Die Universitätsstadt
Was viele vergessen: St. Gallen hat eine der renommiertesten Wirtschaftsunis der Schweiz. Die HSG zieht jedes Jahr tausende Studenten an, und die brauchen alle Möbel.
Das Besondere: HSG-Studenten sind oft nur für ein paar Semester da – Bachelor hier, Master woanders. Diese Fluktuation erzeugt einen ständigen Kreislauf aus Möbeln, die weggegeben und gesucht werden.
Die Gegend rund um die Uni, besonders Rotmonten und Teile von St. Georgen, ist entsprechend interessant. Hier findest du regelmässig Schreibtische, Bücherregale, Sofas – das typische Studenten-Sortiment.
Aber aufgepasst: Zu Semesteranfang im September ist die Konkurrenz gross. Alle suchen gleichzeitig. Im Februar, wenn manche ihren Abschluss machen, ist die bessere Zeit zum Finden.
Jenseits der Uni
St. Gallen ist mehr als nur Studenten. Die Stadt hat eine lange Geschichte als Textilzentrum, und diese Vergangenheit prägt noch heute.
In den ehemaligen Arbeiterquartieren wie Lachen oder Bruggen wohnen Familien, die seit Generationen hier leben. Wenn hier jemand verstirbt oder ins Heim zieht, werden manchmal ganze Haushalte aufgelöst. Das sind dann oft Sachen aus einer anderen Zeit – massive Holzmöbel, Vintage-Stücke, die in Zürich als Designer-Ware durchgehen würden.
Die Altstadt selbst ist UNESCO-Welterbe und entsprechend teuer. Hier wohnen wenige, und die, die es tun, verschenken selten. Konzentrier dich auf die Aussenquartiere.
Ostschweizer Mentalität
Ostschweizer sind sparsam – das ist keine Beleidigung, sondern ein Kompliment. Sie werfen weniger weg, reparieren mehr, und wenn sie etwas verschenken, dann ist es meistens in gutem Zustand.
Ich habe gehört, dass die "Zu verschenken"-Kultur in St. Gallen sehr ausgeprägt ist. Leute stellen Sachen vor die Tür mit einem Zettel, und es wird erwartet, dass andere sie mitnehmen. Das ist hier normaler als in anderen Städten.
Was auch auffällt: Die Kommunikation ist direkter. Wenn ein St. Galler sagt "Ja, das kannst du haben", dann meint er es so. Weniger Höflichkeitsfloskeln, mehr Klarheit.
Die lokalen Kanäle
Die Facebook-Gruppen in St. Gallen sind kleiner als in den grossen Städten, aber die Community ist eng. "Gratis in St. Gallen" und ähnliche Gruppen funktionieren gut.
tutti.ch ist hier weniger verbreitet als im Mittelland. Die Ostschweizer nutzen eher lokale Kanäle oder Ricardo für Verkäufe. Für Gratis-Sachen bleiben Facebook und direkte Nachbarschafts-Netzwerke.
Eine Besonderheit: Die lokalen Kirchgemeinden haben manchmal Tauschbörsen oder helfen bei Wohnungsauflösungen. In einer Stadt wie St. Gallen, wo die Kirche noch eine soziale Rolle spielt, kann das ein unerwarteter Kanal sein.
Transport in der hügeligen Stadt
St. Gallen liegt am Hang, und das merkt man. Nicht jede Strecke lässt sich locker mit dem Velo fahren. Der Stadtbus ist gut ausgebaut, aber für Möbeltransporte natürlich keine Option.
Mobility gibt es, aber mit weniger Standorten als in Zürich. Plane entsprechend. Manchmal lohnt es sich, mehrere Abholungen zu koordinieren und an einem Tag zu erledigen.
Das Umland nicht vergessen
Die Ostschweiz ist mehr als St. Gallen. Herisau, Gossau, Wil – diese Orte sind nah und haben eigene Angebote. Wenn du flexibel bist und ein Auto hast, erweitere deinen Radius. Die Konkurrenz ist dort noch geringer.
Besonders Herisau im Appenzell ist interessant. Dort gibt es eine alternative Szene, die aus der Psychiatrie-Geschichte der Stadt gewachsen ist. Tauschen und Teilen hat dort eine lange Tradition.
Fazit
St. Gallen ist keine Goldgrube für Gratis-Sucher, aber wer hier wohnt, findet regelmässig Gutes. Die Uni sorgt für Fluktuation, die Ostschweizer Mentalität für Qualität.
Wir arbeiten daran, PIKITUP auch in der Ostschweiz bekannter zu machen. Je mehr Leute mitmachen, desto besser funktioniert es. Schau vorbei und hilf mit, die Community aufzubauen.
Du kennst St. Gallen besser? Ich freue mich über Inputs – hello@pikitup.com