Die Romandie ist anders. Das merkt man schnell, wenn man die Sprachgrenze überquert. Und diese Andersartigkeit zeigt sich auch beim Thema Gratis-Sachen. Hier teile ich, was ich über den französischsprachigen Teil der Schweiz gelernt habe.
Genf: Die internationale Stadt
Genf ist ein Sonderfall in der Schweiz. Die Stadt hat mehr Expats als fast jede andere, dank der UNO, der WHO und hunderten internationaler Organisationen. Das prägt die Gratis-Kultur massiv.
Die gute Nachricht: Es gibt ständig Bewegung. Diplomaten werden versetzt, UNO-Mitarbeiter wechseln Posten, internationale Studenten kommen und gehen. Jede Veränderung bedeutet: Möbel müssen weg.
Die weniger gute Nachricht: Die Konkurrenz ist international. In Genf suchen nicht nur Schweizer nach Gratis-Sachen, sondern Leute aus aller Welt. Die Angebote sind schnell vergriffen.
Die besten Quartiere sind dort, wo die internationalen Organisationen ihre Mitarbeiter unterbringen. Champel, Florissant, teilweise auch Vernier. Hier findest du manchmal hochwertige Sachen – IKEA ist nicht das einzige, was verschenkt wird.
Ein Tipp: Die englischsprachigen Expat-Gruppen auf Facebook sind oft ergiebiger als die lokalen. "Geneva Expats" und ähnliche Gruppen haben tausende Mitglieder, und dort wird regelmässig verschenkt.
Lausanne: Die Studentenstadt
Lausanne hat die EPFL, eine der besten technischen Unis Europas, plus die Universität Lausanne. Das bedeutet: Studenten. Viele Studenten.
Die Quartiere rund um die Unis – Ecublens, Chavannes, Renens – sind entsprechend interessant. Hier rotieren Möbel im Semesterrhythmus. Im Juli, wenn das Studienjahr endet, und im September, wenn es anfängt, sind die besten Zeiten.
Was Lausanne von anderen Unistädten unterscheidet: Die Internationalität. EPFL zieht Studenten aus der ganzen Welt an, und viele bleiben nur für ein oder zwei Jahre. Diese Kurzfristigkeit bedeutet, dass qualitativ gute Möbel schnell wieder verfügbar werden.
Die Altstadt und die teuren Viertel am See kannst du überspringen. Dort wohnen Leute, die nicht verschenken müssen. Konzentrier dich auf den Westen der Stadt.
Die französische Note
In der Romandie läuft einiges über Anibis.ch – das Pendant zu tutti.ch in der Westschweiz. Die Gratis-Kategorie dort ist überschaubar, aber es gibt sie.
Was ich interessant finde: Die Romands nutzen auch französische Plattformen. Leboncoin zum Beispiel, obwohl das eigentlich für Frankreich ist. In Grenzregionen wie Genf funktioniert das manchmal.
Die lokalen Facebook-Gruppen heissen hier "Gratuit" statt "Gratis" – logisch. "Donner Genève" oder "Gratuit Lausanne" sind die üblichen Namen. Die Communities sind aktiv, aber die Kommunikation läuft auf Französisch.
Kulturelle Unterschiede
Ich habe beobachtet, dass in der Romandie mehr geredet wird. Die Leute wollen wissen, wer ihre Sachen bekommt. Während in Zürich oft ein "Bin um 15 Uhr da" reicht, erwarten Romands manchmal mehr Kontext.
Das ist keine Kritik, nur eine Beobachtung. Wenn du aus der Deutschschweiz kommst und in der Romandie suchst, sei etwas persönlicher in deinen Nachrichten. Stell dich vor, erkläre kurz, warum du das Ding brauchst.
Was auch anders ist: Die Romands sind spontaner. "Je passe dans une heure" wird eher akzeptiert als in Zürich, wo alles geplant sein muss. Das kann ein Vorteil sein, wenn du flexibel bist.
Transport
Genf und Lausanne sind beide gut mit dem ÖV erschlossen. In Genf gibt es das TPG-Netz, in Lausanne das TL mit der spektakulären Metro M2, die den Hügel hochfährt.
Aber für Möbel braucht man ein Auto. Mobility gibt es auch hier, mit Transportern an verschiedenen Standorten. Die Reservierung läuft gleich wie in der Deutschschweiz.
Eine Besonderheit in Genf: Die Nähe zu Frankreich. Manchmal ist es einfacher, ein Auto in Annemasse oder Ferney-Voltaire zu organisieren. Nicht legal im strengsten Sinne, aber praktisch.
Die kleineren Städte
Die Romandie ist mehr als Genf und Lausanne. Fribourg, Neuchâtel, Sion – diese Städte haben kleinere, aber aktive Communities.
Fribourg ist besonders interessant, weil die Stadt zweisprachig ist. Hier treffen sich Deutschschweizer und Romands, was zu einer gemischten Kultur führt. Die Uni bringt Bewegung, die Altstadt Charme.
Neuchâtel hat eine ruhigere Szene, aber qualitativ oft gute Angebote. Die Stadt ist kleiner, die Konkurrenz geringer.
Mein Fazit
Die Romandie lohnt sich, auch wenn du kein perfektes Französisch sprichst. Die internationale Prägung, besonders in Genf, macht die Kommunikation oft einfach. Und die Qualität der Angebote ist manchmal besser als in der Deutschschweiz, weil mehr internationale Haushalte aufgelöst werden.
PIKITUP ist noch dabei, in der Romandie zu wachsen. Wir freuen uns über jeden, der mitmacht – egal ob in Genf, Lausanne oder anderswo.
Tu connais bien la Romandie? Schreib mir auf Deutsch oder Französisch – hello@pikitup.com