Zürich ist teuer. Das weiss jeder, der hier wohnt. Eine Zweizimmerwohnung kostet schnell mal 2000 Franken, und dann soll man die auch noch einrichten. Kein Wunder, dass immer mehr Zürcher ihre Möbel gebraucht holen – und zwar gratis.
Ich lebe seit ein paar Jahren hier und habe einiges ausprobiert. Nicht alles hat funktioniert, aber ich habe viel gelernt. Das möchte ich hier teilen.
Die Sache mit den Quartieren
Nicht alle Quartiere sind gleich, wenn es um Gratis-Möbel geht. Das klingt erstmal seltsam, aber es macht Sinn, wenn du drüber nachdenkst.
In Quartieren mit vielen Studenten und jungen Leuten – also Kreis 4, Kreis 5, Teile von Oerlikon – gibt es ständig Bewegung. Leute ziehen ein, ziehen aus, wechseln WGs. Dabei bleibt Zeug übrig. Ich habe meinen Schreibtisch aus dem Langstrassenquartier, mein Bücherregal aus Wiedikon.
In den reicheren Gegenden wie Enge oder Seefeld werden auch Sachen verschenkt, aber die Konkurrenz ist grösser. Hier schaut jeder auf tutti.ch und Facebook. Wenn dort ein schönes Möbelstück auftaucht, ist es in Minuten weg.
Am meisten Glück hatte ich in den Übergangsquartieren – Altstetten, Schwamendingen, Teile von Oerlikon. Hier wohnen Familien, die umziehen, ältere Leute, die ihren Haushalt verkleinern. Die Angebote sind vielleicht nicht so hip, aber dafür oft qualitativ besser. Mein robustester Küchentisch stammt von einer älteren Dame aus Affoltern, die in eine kleinere Wohnung zog.
Wann du suchen solltest
Timing ist wichtiger als Standort. Das habe ich auf die harte Tour gelernt.
Am Monatsende wird es wild. In Zürich haben die meisten Mietverträge Kündigungsfristen zum Monatsende, also passieren Umzüge in den letzten und ersten Tagen des Monats. Wenn du am 28. oder 29. schaust, findest du Leute, die verzweifelt ihre Möbel loswerden wollen. Manchmal stellen sie Sachen einfach vor die Tür mit einem "Gratis"-Schild.
Der September ist in Zürich speziell. Semesterstart bedeutet: Tausende Studenten ziehen in die Stadt. Die alten gehen, die neuen kommen. Das erzeugt einen Kreislauf aus Verschenken und Suchen, von dem du profitieren kannst.
Frühjahrsputz im März und April ist auch gut. Die Zürcher räumen aus, was sich im Winter angesammelt hat. Nicht nur Möbel – auch Sportgeräte, Kleidung, Haushaltskram.
Strassenrand-Kultur in Zürich
Zürich hat eine interessante Kultur, wenn es ums Verschenken geht. In manchen Quartieren ist es völlig normal, brauchbare Sachen vor die Tür zu stellen. In anderen wirst du schräg angeschaut.
In Wiedikon, Aussersihl und Langstrasse habe ich regelmässig Strassenrand-Funde gemacht. Regale, Stühle, manchmal sogar kleine Sofas. Meistens mit einem Zettel "Gratis" oder "Bitte mitnehmen". Das ist praktisch, weil du nicht fragen musst – aber auch riskant, weil der Zustand oft unklar ist.
In den bürgerlichen Quartieren funktioniert das weniger. Hier nutzen die Leute eher Online-Plattformen oder bringen Sachen direkt zum Brockenhaus.
Ein Tipp: Nach Regentagen lohnt sich ein Spaziergang weniger. Polstermöbel, die eine Nacht im Regen standen, kannst du vergessen. Schau lieber bei trockenem Wetter.
Online vs. Offline
Ich nutze beides, aber für unterschiedliche Dinge.
Online – sei es PIKITUP, Facebook-Gruppen oder tutti – ist besser für gezielte Suche. Wenn du einen Schreibtisch brauchst, kannst du danach filtern und wirst benachrichtigt, sobald einer auftaucht. Du siehst Fotos, kannst den Zustand einschätzen und weisst, wo du hinmusst.
Offline – also Spaziergänge durchs Quartier – ist besser für Zufallsfunde. Du findest Sachen, von denen du nicht wusstest, dass du sie brauchst. Eine Pflanze hier, eine Lampe dort. Das macht auch einfach Spass, wenn du sowieso gerne zu Fuss unterwegs bist.
Die besten Zeiten für Quartier-Spaziergänge sind Samstag und Sonntag Vormittag. Da stellen die Leute Sachen raus, die am Wochenende noch abgeholt werden sollen.
Transport in Zürich
Das ist das ewige Thema. Zürich ist eine Velostadt, aber ein Sofa passt nunmal nicht aufs Velo.
Wenn du kein eigenes Auto hast – wie die meisten Zürcher – gibt es ein paar Optionen. Mobility hat Transporter, die du stundenweise mieten kannst. Die Stationen sind über die Stadt verteilt, du musst nur Mitglied sein. Für ein paar Möbelstücke lohnt sich das meistens.
Für kleinere Sachen gibt es in Zürich ein paar Lastenvelo-Verleihs. "Carvelo" hat Stationen in verschiedenen Quartieren. Damit schaffst du locker ein Regal oder einen kleinen Tisch.
Und dann gibt es noch die klassische Variante: Freunde fragen. In Zürich kennt eigentlich jeder irgendjemanden mit einem Kombi oder einem Lieferwagen. Ein Bier oder Pizza als Dank, und die Sache ist erledigt.
Was ich nie mehr machen würde
Ein paar Fehler habe ich gemacht, die du dir sparen kannst.
Erstens: Nie mehr Matratzen vom Strassenrand. Ich weiss, das klingt verlockend, aber du weisst nicht, was darin lebt. Polstermöbel allgemein sind heikel – ein gründliches Absaugen und Desinfizieren ist Minimum, und selbst dann bleibt ein Risiko.
Zweitens: Nicht zu weit fahren. Einmal bin ich von Oerlikon nach Altstetten gefahren für einen Stuhl. Einen einzelnen Stuhl. Als ich ankam, war er schon weg. Die Fahrt hat mich eine Stunde meines Lebens gekostet. Seitdem achte ich darauf, dass sich der Weg lohnt.
Drittens: Nicht emotional werden. Nur weil etwas gratis ist, heisst das nicht, dass du es brauchst. Ich habe eine Phase gehabt, in der ich alles Mögliche mitgenommen habe, nur weil es umsonst war. Das Ergebnis war eine überfüllte Wohnung. Mittlerweile frage ich mich immer: Würde ich dafür Geld bezahlen? Wenn nein, lasse ich es stehen.
Zum Schluss
Zürich ist teuer, aber Möbel müssen es nicht sein. Mit etwas Geduld und den richtigen Quellen kannst du eine ganze Wohnung einrichten, ohne viel auszugeben. Das ist gut für dein Portemonnaie und für die Umwelt.
Auf PIKITUP versuchen wir, das noch einfacher zu machen. Eine Karte, die dir zeigt, was gerade in deiner Nähe verfügbar ist. Schau mal rein – vielleicht steht dein nächstes Möbelstück schon um die Ecke.
Kennst du geheime Hotspots in Zürich für Gratis-Funde? Schreib mir an hello@pikitup.com – ich aktualisiere den Artikel gerne.