Die Küche wird renoviert, oder der alte Herd hat nach vielen Jahren ausgedient – und die erste Sorge gilt meist den Kosten. Bei Sofa oder Schrank ist eine Entsorgungsgebühr normal, beim Herd ist die Antwort eine andere: Wie bei Kühlschrank und Waschmaschine ist die Rückgabe in der Schweiz gratis. Der Haken liegt nicht beim Geld, sondern beim Ausbau.
Warum die Rückgabe gratis ist: der vorgezogene Recyclingbeitrag (vRB)
Herde und Backöfen fallen wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler unter die VREG – die Verordnung über die Rückgabe, Rücknahme und Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte. Zuständig für diese Kategorie der Haushaltgrossgeräte ist die Stiftung SENS mit ihrem Rücknahmesystem SENS eRecycling, das erklärt, dass neben Kühl- und Gefriergeräten "weitere Haushaltgrossgeräte wie Backöfen, Waschmaschinen und Geschirrspüler" im Lauf der Zeit zur Kategorie dazugekommen sind. Ein Elektroherd oder Einbau-Backofen gehört genau in diese Gruppe.
Finanziert wird die Rücknahme über den vorgezogenen Recyclingbeitrag (vRB), den du beim Kauf eines neuen Geräts automatisch mitbezahlst – die spätere Entsorgung ist damit bereits gedeckt, und zwar unabhängig davon, ob du gleichzeitig ein Ersatzgerät kaufst.
Wichtige Einschränkung: Diese gratis Rückgabe gilt für Elektroherde und -backöfen. Ein reiner Gasherd ist kein Elektrogerät im Sinne der VREG und fällt deshalb nicht automatisch unter den vRB – hier lohnt sich vorab ein Anruf beim Recyclinghof oder bei der Gemeinde, da für den Gasanschluss zusätzlich eine Fachperson nötig ist.
Wo du deinen alten Herd gratis abgeben kannst
1. Jede Verkaufsstelle, die Herde oder Backöfen führt. Elektrofachhändler wie Fust oder Interdiscount, Küchenbauer und Möbelhäuser mit Elektroabteilung müssen alte Geräte derselben Kategorie zurücknehmen, unabhängig davon, wo du das neue Gerät gekauft hast.
2. Die städtischen Recyclinghöfe. Elektrogrossgeräte sind an den meisten Sammelstellen explizit gratis. Adressen und Öffnungszeiten findest du in unseren Entsorgungskalendern für die jeweilige Stadt.
Kochfeld-Typ spielt für die Rückgabe keine Rolle – für den Neupreis schon
Ob dein Herd ein Kochfeld mit klassischen Gussplatten, ein Ceran-Glaskeramikfeld oder ein modernes Induktionsfeld hat, ändert an der gratis Rückgabe nichts – SENS eRecycling nimmt alle Varianten gleich zurück. Für die Entscheidung "verschenken oder entsorgen" lohnt sich der Blick trotzdem: Induktionsfelder sind im Betrieb deutlich sparsamer und schneller als alte Gussplatten, dafür teurer im Neupreis. Ein intaktes Induktionskochfeld ist deshalb besonders gefragt – erwähne den Kochfeld-Typ also unbedingt im Inserat, das ist oft die erste Frage.
Das "Aber": Beim Herd kommt der Ausbau dazu
Bei Kühlschrank oder Waschmaschine ist der Aufwand vor allem das Gewicht. Beim Herd kommt oft noch etwas dazu: Ein Einbauherd ist meist fest in die Küchenzeile integriert und bei einem Elektroherd mit Kochfeld oft über einen fest verdrahteten Starkstromanschluss (400 V) angeschlossen statt über eine simple Steckdose. Diesen Anschluss solltest du nicht selbst lösen – das ist Sache einer Elektrofachperson oder des Küchenmonteurs, der ohnehin für den Ausbau kommt. Ein Standherd mit normalem Stecker ist dagegen unkompliziert: ausstecken, herausziehen, fertig.
Rechne bei einem Einbauherd also mit zwei Terminen: dem Ausbau durch eine Fachperson und der eigentlichen Rückgabe an Verkaufsstelle oder Recyclinghof. Wird gleichzeitig eine neue Küche montiert, übernimmt der Küchenbauer den Ausbau meist ohnehin im Rahmen des Auftrags.
Wenn er noch funktioniert: verschenken statt zurückgeben
Ein Herd, der noch zuverlässig kocht und backt, ist kein Fall für SENS eRecycling – gerade bei Küchenrenovationen werden oft komplett intakte Geräte ausgebaut, nur weil sie farblich nicht mehr zur neuen Küche passen. Für eine WG, eine Zweitküche oder eine erste eigene Wohnung ist ein funktionierender Gratis-Herd bares Geld wert, denn neu kostet ein Elektroherd mit Backofen schnell CHF 400 bis 1'000.
Stell deinen Herd auf Pikitup ein und nenne im Inserat ehrlich Baujahr, Masse (Standard sind meist 60 cm Breite) und ob es sich um einen Einbau- oder Standherd handelt – das entscheidet direkt, ob ein Elektriker für die Übergabe nötig ist. Wichtig auch: ob alle Kochfelder und der Backofen zuverlässig funktionieren. In Zürich, Bern und Winterthur sind funktionierende Herde bei Küchenrenovationen und Umzügen regelmässig gefragt. Mehr zum sicheren Umgang mit gebrauchter Elektronik liest du in Gratis Elektronik: Was du nehmen kannst und wovon du die Finger lässt.
Wann Verschenken keine gute Idee ist
Ein Herd mit defekten Heizspiralen, einer Backofentür, die nicht mehr richtig schliesst, oder ungewöhnlichem Geruch beim Aufheizen gehört nicht verschenkt – solche Mängel sind entweder ein Sicherheitsrisiko oder eine teure Reparatur, die sich für ein Occasion-Gerät kaum lohnt. Die faire Lösung ist dann die gratis Rückgabe über SENS eRecycling statt ein Inserat, das jemand anderem ein Problem weitergibt.
Faustregel: Heizt er zuverlässig und gleichmässig? Verschenken. Defekte Heizelemente, undichte Tür oder Geruch? Zurück zur Verkaufsstelle oder zum Recyclinghof – kostenlos dank vRB, aber beim Einbauherd mit Ausbautermin.
Kurz zusammengefasst
- Die Rückgabe von Elektroherden und Einbau-Backöfen ist in der Schweiz dank vRB und SENS eRecycling gratis.
- Beim Einbauherd braucht es zusätzlich eine Fachperson für den Ausbau des Starkstromanschlusses.
- Funktioniert er noch, ist Verschenken über Pikitup oft die lohnendere Wahl, gerade bei Küchenrenovationen.
- Nur ein wirklich defekter Herd gehört zurück ins offizielle Recyclingsystem.
So verschwindet der alte Herd aus der Küche, ohne dass irgendjemand dafür bezahlt – ob er ein zweites Leben bei jemand anderem bekommt oder fachgerecht recycelt wird.