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Nachhaltig leben ohne Aufwand: Warum Teilen der einfachste Schritt ist

Nachhaltigkeit muss nicht kompliziert sein. Warum das Teilen und Weitergeben von Sachen einer der wirksamsten Schritte ist, die du machen kannst.

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David Novotny

27. Januar 2025

Nachhaltig leben ohne Aufwand: Warum Teilen der einfachste Schritt ist

Wenn jemand "nachhaltig leben" sagt, denken viele an Verzicht. Kein Fleisch, kein Fliegen, kein Konsum. Klingt anstrengend. Ist es manchmal auch.

Aber es gibt einen Aspekt von Nachhaltigkeit, der fast keinen Aufwand macht und trotzdem einen echten Unterschied: Sachen teilen und weitergeben, statt sie wegzuwerfen.

Die Zahlen hinter dem Müll

Die Schweiz wirft jedes Jahr rund 730 Kilogramm Abfall pro Person weg. Das ist einer der höchsten Werte weltweit. Ein Teil davon ist unvermeidlich – Verpackungen, Essensreste, Verbrauchsgüter. Aber ein erschreckend grosser Teil sind Dinge, die noch funktionieren.

Möbel, Kleidung, Elektronik, Haushaltsgegenstände. Sachen, die jemand anders noch brauchen könnte. Stattdessen landen sie in der Mulde, in der Verbrennung, auf der Deponie.

Nachhaltigkeit-Symbol aus Recycling-Material
Nachhaltigkeit-Symbol aus Recycling-Material

Das ist nicht nur schade – es ist auch ökologisch problematisch. Jedes Produkt, das wir kaufen, hat einen ökologischen Fussabdruck. Die Herstellung braucht Energie, Wasser, Rohstoffe. Der Transport verursacht Emissionen. Wenn wir ein Produkt nach kurzer Zeit wegwerfen, war dieser ganze Aufwand umsonst.

Warum Teilen so effektiv ist

Hier kommt der positive Teil.

Jede Sache, die weitergegeben statt weggeworfen wird, verlängert ihren Lebenszyklus. Ein Stuhl, der zehn Jahre bei dir stand und dann noch fünf Jahre bei jemand anderem, hat seinen ökologischen Fussabdruck über 15 Jahre amortisiert statt über 10.

Das klingt abstrakt, ist aber konkret. Wenn du ein Sofa verschenkst statt entsorgst, muss jemand anders kein neues Sofa kaufen. Das bedeutet: Eine Fabrik muss kein neues Sofa produzieren. Kein Holz fällen, kein Stoff weben, kein Transport vom Werk zum Laden.

Die Rechnung ist simpel: Wiederverwendung ist fast immer besser als Neuproduktion, selbst wenn die Neuproduktion "nachhaltig" ist.

Der Unterschied zu Recycling

Recycling ist gut, aber Wiederverwendung ist besser.

Wenn du einen Stuhl zum Recycling gibst, wird er zerlegt, die Materialien werden aufbereitet, vielleicht wird irgendwann ein neuer Stuhl daraus. Das braucht Energie und ist nicht verlustfrei – nicht alles lässt sich recyceln.

Gebrauchte Möbel vor weissem Hintergrund
Gebrauchte Möbel vor weissem Hintergrund

Wenn du den gleichen Stuhl verschenkst, sitzt morgen jemand drauf. Keine Verarbeitung, kein Energieaufwand, maximaler Nutzen.

Die Hierarchie der Nachhaltigkeit ist klar: Vermeiden > Wiederverwenden > Recyceln > Entsorgen. Und Teilen ist die einfachste Form von Wiederverwenden.

Warum es trotzdem so wenig passiert

Wenn Teilen so sinnvoll ist, warum tun es dann nicht mehr Leute?

Erstens: Bequemlichkeit. Etwas in die Mulde zu werfen ist einfacher als es online zu stellen und auf Abholer zu warten. Der ökologische Effekt ist abstrakt, der Aufwand konkret.

Zweitens: Unwissen. Viele wissen nicht, dass es einfache Wege gibt, Sachen weiterzugeben. Oder sie unterschätzen, dass jemand ihre "alten" Sachen noch haben will.

Drittens: Scham. Manchen ist es peinlich, gebrauchte Sachen anzubieten. Als wäre das ein Zeichen von Armut oder Knauserigkeit. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Der kulturelle Wandel

Das Gute: Es ändert sich etwas.

Die jüngere Generation hat ein anderes Verhältnis zu Besitz. Secondhand-Kleidung ist normal geworden, sogar cool. Sharing-Economy ist ein Buzzword, aber auch eine Realität. Leute leihen Autos, teilen Wohnungen, tauschen Kleider.

In diesem Kontext macht Verschenken Sinn. Es ist nicht das Gegenteil von Konsum, sondern eine andere Form davon. Bewusster, nachhaltiger, sozialer.

Was du konkret tun kannst

Falls du überzeugt bist und anfangen willst, hier ein paar praktische Schritte.

Fang klein an. Beim nächsten Mal, wenn du etwas wegwerfen willst, frag dich: Könnte das noch jemand brauchen? Wenn ja, stell es online oder vor die Tür.

Mach es zur Gewohnheit. Nicht als grosses Projekt, sondern als normale Routine. So wie du Altglas trennst, gibst du brauchbare Sachen weiter.

Erzähl anderen davon. Nicht missionarisch, aber beiläufig. "Das Regal hab ich gratis bekommen" ist ein Gesprächsöffner. Vielleicht inspiriert es jemanden.

Die Grenzen der individuellen Wirkung

Um ehrlich zu sein: Was du und ich als Einzelpersonen tun, wird den Klimawandel nicht aufhalten. Die grossen Hebel liegen bei Industrie, Politik, Systemveränderung.

Aber das bedeutet nicht, dass individuelle Handlungen sinnlos sind. Sie ändern die Kultur. Sie zeigen, dass eine andere Art zu leben möglich ist. Und sie sparen tatsächlich Ressourcen – vielleicht nicht genug, aber immerhin.

Ausserdem: Es fühlt sich gut an. Das ist auch ein legitimer Grund.

Fazit

Teilen und Weitergeben ist einer der einfachsten Schritte zu einem nachhaltigeren Leben. Es braucht wenig Aufwand, spart Ressourcen und macht andere Menschen glücklich.

Auf PIKITUP versuchen wir, diesen Schritt noch einfacher zu machen. Eine Karte, auf der du siehst, was in deiner Nähe verfügbar ist. Keine Hürden, keine Komplikationen.

Vielleicht ist dein nächster nachhaltiger Schritt ja, etwas zu verschenken. Oder etwas Gebrauchtes anzunehmen. Beides zählt.


Wie lebst du nachhaltig im Alltag? Ich bin neugierig – hello@pikitup.com

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