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Mit Minimalismus anfangen: Weniger Zeug, mehr Leben

Du willst weniger besitzen, weisst aber nicht wo anfangen? Praktische Gedanken zum Entrümpeln und Loslassen.

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David Novotny

30. Januar 2025

Mit Minimalismus anfangen: Weniger Zeug, mehr Leben

Minimalismus ist ein Modewort geworden. Netflix-Dokus, Instagram-Accounts voller weisser Wände, Bücher über das "Leben mit 100 Dingen". Das kann inspirierend sein, aber auch einschüchternd.

Die gute Nachricht: Du musst nicht radikal werden. Schon ein bisschen weniger Zeug kann einen Unterschied machen.

Was Minimalismus für mich bedeutet

Ich bin kein extremer Minimalist. Meine Wohnung sieht nicht aus wie ein Apple Store. Ich habe Bücher, Küchenzeug, Dekoration – alles mögliche.

Aber ich habe weniger als früher. Und – das ist der wichtige Teil – ich habe nur noch Sachen, die ich bewusst behalten habe. Kein Kram, der einfach so rumliegt, weil er halt da ist.

Aufgeräumtes minimalistisches Zimmer
Aufgeräumtes minimalistisches Zimmer

Das macht einen Unterschied im Alltag. Weniger Aufräumen, weniger Putzen, weniger "wo ist das schon wieder hin?". Mehr Platz, mehr Übersicht, mehr Ruhe.

Warum es so schwer ist loszulassen

Bevor du anfängst auszumisten, hilft es zu verstehen, warum es schwerfällt.

Wir hängen an Dingen, weil sie Erinnerungen repräsentieren. Das Geschenk von Oma, das Souvenir aus dem Urlaub, das T-Shirt vom Konzert. Die Sache selbst ist vielleicht nicht wichtig, aber was sie bedeutet, schon.

Wir hängen an Dingen, weil wir "eines Tages" denken. Eines Tages trage ich das wieder. Eines Tages brauche ich das. Eines Tages passe ich da wieder rein. Dieser Tag kommt meistens nie.

Wir hängen an Dingen, weil wir dafür bezahlt haben. Das fühlt sich an wie Verschwendung, es wegzugeben. Aber das Geld ist schon weg, egal ob du die Sache behältst oder nicht.

Diese Mechanismen zu kennen hilft, sie zu überwinden.

Wie ich angefangen habe

Mein erster Schritt war, mit dem Offensichtlichen anzufangen.

Sachen, die kaputt sind. Kabel ohne zugehöriges Gerät, Kleidung mit Löchern, zerbrochene Dinge die "ich mal reparieren wollte". Das war einfach, weil die Entscheidung klar war.

Sachen, die ich doppelt habe. Drei Scheren, fünf Kugelschreiber, zwei identische Pullover. Wozu?

Sachen, die seit Jahren unbenutzt im Schrank liegen. Das Fondue-Set, das ich nie auspacke. Die Bücher, die ich nie lesen werde. Die Sportausrüstung für Hobbys, die ich aufgegeben habe.

Leere Schubladen nach dem Ausmisten
Leere Schubladen nach dem Ausmisten

Nach dieser ersten Runde war schon erstaunlich viel weg. Und ich habe nichts vermisst.

Die schwierigeren Entscheidungen

Dann kommen die Sachen, bei denen es nicht so klar ist.

Das Buch, das ich vor Jahren gelesen habe und vielleicht nochmal lesen will. Die Jacke, die ich nur selten trage, aber die ich mag. Das Erbstück, das mir eigentlich nicht gefällt, aber das von jemandem kommt, der mir wichtig war.

Hier hilft mir eine Frage: Wenn ich das heute im Laden sehen würde, würde ich es kaufen? Wenn nein, warum behalte ich es dann?

Bei Erbstücken und Erinnerungsstücken: Die Erinnerung ist nicht in dem Gegenstand. Die ist in mir. Ein Foto reicht oft, um das Gefühl zu bewahren, ohne den Platz zu brauchen.

Der Prozess braucht Zeit

Wichtig: Du musst nicht alles an einem Wochenende erledigen.

Minimalismus ist kein Projekt, das man abschliesst, sondern eine Haltung, die man entwickelt. Es ist okay, langsam vorzugehen. Eine Schublade diese Woche, ein Schrank nächste Woche.

Manche Entscheidungen brauchen Zeit. Wenn du unsicher bist, leg die Sache beiseite und komm später darauf zurück. Manchmal wird mit etwas Abstand klarer, ob du sie brauchst oder nicht.

Wohin mit den Sachen?

Wenn du ausgemistet hast, brauchst du einen Plan für die Sachen.

Verschenken ist mein Favorit. Auf PIKITUP, in Facebook-Gruppen, an Freunde und Familie. Die Sachen bekommen ein zweites Leben, jemand freut sich, und du hast sie los.

Verkaufen lohnt sich bei wertvollen Dingen. Bei allem anderen ist der Aufwand oft höher als der Ertrag.

Brockenhaus für grössere Mengen. Die nehmen vieles, und du musst dich nicht um Einzelabholungen kümmern.

Entsorgen als letzte Option. Was wirklich niemand mehr will, muss weg. Das ist okay.

Was danach passiert

Das Schönste am Minimalismus ist nicht das Ausmisten selbst, sondern das Danach.

Weniger Sachen bedeutet weniger Entscheidungen. Was ziehe ich an? Einfacher, wenn der Schrank nur enthält, was ich mag. Was esse ich? Einfacher, wenn die Küche übersichtlich ist.

Weniger Sachen bedeutet weniger Verantwortung. Jedes Ding braucht Platz, Pflege, Aufmerksamkeit. Weniger Dinge, mehr Kapazität für anderes.

Und – vielleicht am wichtigsten – weniger Sachen bedeutet mehr Bewusstheit über das, was reinkommt. Bevor du etwas Neues kaufst, fragst du dich: Brauche ich das wirklich? Oder wird das in einem Jahr wieder ausgemistet?

Fazit

Minimalismus muss nicht extrem sein. Ein bisschen bewusster zu leben, ein bisschen weniger zu horten, ein bisschen öfter loszulassen – das reicht schon.

Fang klein an. Eine Schublade, ein Schrank, ein Bereich. Sieh, wie es sich anfühlt. Mach weiter, wenn es dir guttut.

Und wenn du beim Ausmisten Sachen findest, die noch brauchbar sind – verschenke sie. Auf PIKITUP oder anderswo. So hilfst du dir und anderen.


Wie ist deine Beziehung zu Minimalismus? Ich bin neugierig – hello@pikitup.com

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