Kleidung ist kompliziert. Bei Möbeln weisst du: Ist der Stuhl kaputt oder nicht? Bei Kleidung gibt es tausend Faktoren. Passt es? Gefällt es? Ist der Stil noch tragbar? Sind die Flecken rauswaschbar?
Trotzdem: Gratis Kleidung zu finden kann sich lohnen. Hier ist, was ich dabei gelernt habe.
Das Mengenproblem
Kleidung wird in Massen verschenkt. Das ist gut und schlecht zugleich.
Gut, weil du fast immer etwas findest. Schlecht, weil du auch durch viel Zeug wühlen musst, das niemand will. Die Fast-Fashion-Kultur hat dazu geführt, dass Leute Kleiderschränke voll haben, die sie kaum getragen haben. Wenn sie dann ausmisten, kommt alles raus.
Ich bin ehrlich: Die meiste gratis verschenkte Kleidung würde ich nicht anziehen. Aber zwischen dem Durchschnitt verstecken sich manchmal echte Perlen.
Was funktioniert, was nicht
Basics funktionieren am besten. Ein schwarzes T-Shirt, ein weisses Hemd, eine dunkle Jeans – solche Sachen sind zeitlos und passen fast jedem. Wenn du sowas findest und die Grösse stimmt, nimm es mit.
Qualitätsmarken sind oft besser erhalten. Ein Patagonia-Fleece oder ein Arket-Pullover hat meistens weniger gelitten als ein H&M-Teil. Die Leute haben mehr dafür bezahlt und besser drauf aufgepasst.
Winterjacken sind Gold wert. Eine gute Winterjacke kostet neu 200-400 Franken. Gebraucht aber noch intakt? Das ist ein echter Fund.
Was schwierig ist: Alles mit speziellem Schnitt oder auffälligem Muster. Die Leoparden-Bluse, die du cool findest, wollen vielleicht nicht so viele andere Leute. Das gilt in beide Richtungen – beim Suchen und beim Verschenken.
Das Hygiene-Thema
Lass uns darüber reden, weil es wichtig ist.
Kleidung kann gewaschen werden. Anders als bei einer Matratze, wo du nicht weisst was drin ist, kannst du ein T-Shirt einfach in die Maschine werfen. Bei 60 Grad ist alles tot, was nicht dort sein sollte.
Ich wasche grundsätzlich alles, was ich gebraucht bekomme, bevor ich es anziehe. Auch wenn es sauber aussieht. Das ist keine Paranoia, nur Grundhygiene.
Bei Schuhen ist es komplizierter. Die kannst du nicht einfach waschen. Ich desinfiziere sie mit Spray und lasse sie an der Luft trocknen. Manche Leute nehmen keine gebrauchten Schuhe – das ist verständlich.
Unterwäsche und Socken würde ich nicht gebraucht nehmen. Das ist eine persönliche Grenze, und ich glaube, die meisten sehen das ähnlich.
Wo Kleidung zu finden ist
Facebook-Gruppen sind voll mit Kleidung. Das Problem: Die Qualität variiert stark, und du musst viel scrollen.
Giveboxes und Umsonstläden sind gut zum Stöbern. Du siehst die Sachen live, kannst anfassen, manchmal anprobieren. Der Nachteil: Du weisst nie, was da ist.
Auf PIKITUP siehst du manchmal Kleidung, aber weniger als auf anderen Plattformen. Kleidung ist schwer zu fotografieren und zu beschreiben, deshalb posten manche Leute sie lieber anderswo.
Die Strassenrand-Variante funktioniert auch: Manchmal stellen Leute Säcke mit Kleidung vor die Tür, mit einem "Gratis"-Schild. In gewissen Quartieren ist das normal.
Beim Verschenken
Wenn du selbst Kleidung verschenken willst, hier ein paar Tipps.
Wasch die Sachen vorher. Niemand will dreckige Kleidung, auch wenn sie gratis ist.
Sortier nach Grösse und Typ. "Damenkleider Grösse 38-40" ist hilfreicher als "diverse Kleidung". Je klarer die Beschreibung, desto weniger Zeitverschwendung für alle.
Sei ehrlich über den Zustand. Wenn ein Pulli unter den Armen ausgeleiert ist, sag es. Wenn ein Hemd einen Fleck hat, zeig ihn im Foto. Die Leute schätzen Ehrlichkeit.
Mach gute Fotos. Kleidung auf einem Bügel oder flach ausgelegt sieht besser aus als zerknittert auf dem Boden. Ein bisschen Mühe erhöht die Chancen, dass jemand interessiert ist.
Die Nachhaltigkeitsperspektive
Die Modeindustrie ist einer der grössten Umweltverschmutzer überhaupt. Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Kleidung im Müll, oft praktisch ungetragen.
Secondhand-Kleidung – ob gekauft oder verschenkt – ist ein kleiner Schritt gegen diesen Wahnsinn. Jedes Teil, das weitergetragen wird, ist eines weniger, das produziert werden muss.
Das ist kein moralischer Zeigefinger. Ich kaufe auch manchmal neu. Aber das Bewusstsein, dass Kleidung nicht nach einer Saison wertlos wird, hat meinen Umgang damit verändert.
Ein letzter Gedanke
Kleidung ist persönlich. Was du trägst, sagt etwas über dich aus. Deshalb ist es bei Kleidung schwieriger als bei Möbeln, Kompromisse zu machen.
Aber manchmal findet man genau das Richtige. Den Pullover, der perfekt sitzt. Die Jacke, die man schon lange gesucht hat. In diesen Momenten fühlt sich gratis Kleidung nicht wie ein Kompromiss an, sondern wie ein Geschenk.
Also: Schau dich um, sei wählerisch, und wenn du etwas findest das passt – nimm es mit.
Hattest du schon Glück mit gratis Kleidung? Erzähl mir davon – hello@pikitup.com