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Bücher verschenken und finden: Warum gedruckte Seiten nie sterben

Bücher sind die perfekte Gratis-Kategorie. Sie sind leicht zu transportieren, einfach zu beurteilen und immer gefragt. Ein Leitfaden.

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David Novotny

20. Januar 2025

Bücher verschenken und finden: Warum gedruckte Seiten nie sterben

Jedes Mal wenn ich umziehe, stehe ich vor dem gleichen Problem: die Bücher. Sie sind schwer, sie nehmen Platz weg, und doch kann ich mich nicht von ihnen trennen. Oder kann ich?

In den letzten Jahren habe ich gelernt, Bücher als das zu sehen, was sie sind: Träger von Geschichten und Wissen, die weitergegeben werden können. Ein Buch, das ich gelesen habe und nie wieder lesen werde, kann bei jemand anderem ein neues Leben beginnen.

Warum Bücher die perfekte Gratis-Kategorie sind

Bücher sind ideal zum Verschenken. Sie sind leicht genug, um sie ohne Auto zu transportieren. Ihr Zustand ist sofort erkennbar – du siehst, ob die Seiten vergilbt sind oder der Einband beschädigt. Und sie verlieren nicht an Wert durch Gebrauch, zumindest nicht inhaltlich.

Bücherregal voller Bücher
Bücherregal voller Bücher

Anders als bei Elektronik musst du dir keine Sorgen machen, ob das Ding funktioniert. Ein Buch ist ein Buch. Solange die Seiten lesbar sind, erfüllt es seinen Zweck.

Was ich auch mag: Bücher sind kulturelle Objekte. Sie zu verschenken fühlt sich anders an als einen Toaster weiterzugeben. Es ist ein Stück Wissen, eine Geschichte, die du teilst.

Was besonders gefragt ist

Nicht alle Bücher sind gleich gefragt. Manche gehen sofort weg, andere verstauben.

Kinderbücher werden ständig gesucht. Eltern brauchen endlos Nachschub, weil Kinder schnell durch Bücher rasen und neue wollen. Bilderbücher, Vorlesegeschichten, Jugendbücher – alles geht.

Klassiker und Bestseller finden immer Abnehmer. Der neue Bestseller, den du vor einem Jahr gelesen hast, interessiert jetzt andere. Die Klassiker werden immer gesucht, weil Schulen sie lesen lassen oder Leute sie nachholen wollen.

Sachbücher zu bestimmten Themen sind beliebt bei Leuten, die sich gerade dafür interessieren. Kochbücher, Reiseführer, Ratgeber – die passen immer zu irgendjemandem.

Schwieriger sind: veraltete Ratgeber (ein Excel-2003-Buch will niemand mehr), sehr spezielle Fachliteratur, und Taschenbücher in schlechtem Zustand.

Die Sache mit dem Loslassen

Bücher loszulassen ist für manche Menschen schwer. Ich kenne das. Es fühlt sich fast an, als würde man die Ideen darin verraten.

Aber hier ist ein Gedanke, der mir geholfen hat: Ein Buch im Regal ist ein totes Buch. Es wird nicht gelesen, es teilt sein Wissen nicht. Erst wenn jemand es aufschlägt, lebt es.

Gemütliche Leseecke
Gemütliche Leseecke

Wenn du ein Buch verschenkst, gibst du ihm eine zweite Chance. Jemand wird es lesen, sich darüber freuen, vielleicht etwas lernen. Das ist besser als Staub ansetzen.

Ich habe mir angewöhnt, bei jedem Umzug radikal auszusortieren. Die Regel: Nur Bücher behalten, die ich nochmal lesen würde oder die mir emotional wichtig sind. Der Rest darf gehen.

Bücher in Mengen verschenken

Wenn du viele Bücher loswerden willst, gibt es verschiedene Ansätze.

Die Kiste: Packe ähnliche Bücher zusammen und biete sie als Set an. "20 Krimis", "Kiste Kinderbücher", "Diverse Romane". Das geht schneller als Einzelangebote und spricht Leute an, die gerne stöbern.

Das Abhol-Event: Stelle eine Zeit ein, zu der Leute vorbeikommen können und sich aussuchen, was sie wollen. Funktioniert gut, wenn du sehr viele Bücher hast.

Die öffentliche Bücherkiste: Stell eine Kiste an die Strasse mit einem Schild "Gratis Bücher, bitte bedienen". In den meisten Quartieren ist das akzeptiert und die Bücher verschwinden überraschend schnell.

Wo Bücher besonders zirkulieren

Öffentliche Bücherschränke gibt es in fast jeder Schweizer Stadt. Das sind kleine Kästen an öffentlichen Orten, wo man Bücher hinstellen und mitnehmen kann. Zürich hat dutzende davon, Bern auch, die meisten Städte haben mindestens ein paar.

Der Vorteil: Du musst dich mit niemandem koordinieren. Einfach Bücher reinstellen und gehen. Der Nachteil: Du weisst nicht, ob sie jemandem gefallen haben.

Universitätsbibliotheken haben manchmal Tauschregale. Für Fachliteratur kann das interessant sein – dort sind die richtigen Leute, die sich für spezielle Themen interessieren.

Der ökologische Aspekt

Ein Buch zu produzieren braucht Ressourcen. Papier, Druck, Transport. Wenn ein Buch nach einmaligem Lesen im Müll landet, ist das Verschwendung.

Die gute Nachricht: Bücher können theoretisch dutzende Male gelesen werden, bevor sie physisch am Ende sind. Ein Roman, der fünf verschiedene Besitzer hat, hat seine ökologischen Kosten fünfmal besser amortisiert als einer, der nach einmaligem Lesen weggeworfen wird.

Das ist keine Predigt – nur ein Fakt. Bücher weiterzugeben ist gut für die Umwelt.

Ein persönliches Ritual

Ich habe mir ein kleines Ritual angewöhnt: Wenn ich ein Buch fertig gelesen habe und weiss, dass ich es nicht behalten werde, schreibe ich meinen Vornamen und das Datum auf die erste Seite. Nicht aufdringlich, nur mit Bleistift in die Ecke.

Manchmal frage ich mich, ob diese Bücher noch irgendwo unterwegs sind. Ob jemand anders sie liest und sich fragt, wer "David, März 2024" war.

Das ist keine Besitzmarkierung – es ist eine Spur. Ein Zeichen, dass dieses Buch schon ein Leben hatte, bevor es zu dir kam. Ich finde den Gedanken schön.

Fazit

Bücher verschenken ist einfach, befriedigend und nachhaltig. Wenn du welche loswerden willst, stell sie auf PIKITUP oder in einen öffentlichen Bücherschrank. Wenn du welche suchst, schau dort vorbei.

Die Chancen stehen gut, dass dein nächstes Lieblingsbuch irgendwo darauf wartet, gefunden zu werden.


Hast du eine Buchgeschichte zu erzählen? Schreib mir – hello@pikitup.com

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