In Städten wie Zürich leben Menschen jahrelang Tür an Tür, ohne sich zu kennen. Man grüsst sich im Treppenhaus, vielleicht. Aber richtig miteinander zu tun hat man nicht.
Das ist schade. Nicht nur weil es sich einsam anfühlen kann, sondern weil wir dabei verpassen, was Nachbarschaft sein könnte.
Was passiert, wenn Nachbarn teilen
Ich habe vor ein paar Monaten meinen alten Küchentisch verschenkt. Die Frau, die ihn abgeholt hat, wohnt zwei Strassen weiter. Vorher kannten wir uns nicht. Seitdem grüssen wir uns, wenn wir uns sehen. Einmal haben wir kurz geplaudert.
Das klingt nach wenig. Aber in einer anonymen Grossstadt ist es viel.
Jedes Mal, wenn etwas lokal getauscht oder verschenkt wird, entsteht eine kleine Verbindung. Vielleicht oberflächlich, aber real. Und aus vielen kleinen Verbindungen wird irgendwann ein Netz.
Warum lokal besser ist als anonym
Du kannst deine alten Sachen zum Brockenhaus bringen oder an eine anonyme Sammelstelle. Nichts dagegen, das ist besser als Wegwerfen.
Aber wenn du sie jemandem aus der Nachbarschaft gibst, passiert mehr. Du siehst, dass sich jemand freut. Du weisst, dass dein alter Stuhl jetzt in einer Wohnung um die Ecke steht. Die Sache bekommt eine Geschichte.
Für den Empfänger ist es auch anders. Ein Tisch vom Brockenhaus ist anonym. Ein Tisch vom Nachbarn hat einen Ursprung, eine Verbindung.
Das ist kein Unterschied, der sich in Zahlen messen lässt. Aber er ist spürbar.
Die Logik der kurzen Wege
Es gibt auch praktische Gründe für lokales Teilen.
Transport wird einfacher. Wenn die Sache 500 Meter entfernt ist, kannst du sie zu Fuss holen. Kein Auto nötig, kein Stress mit dem Parkplatz, weniger CO2.
Die Koordination ist einfacher. Wenn beide im gleichen Quartier wohnen, findet sich schneller ein Termin, der für beide passt.
Und wenn mal was schiefgeht – die Sache war doch nicht wie beschrieben, der Termin hat nicht geklappt – ist die Hürde niedriger, es zu klären. Man wohnt ja in der Nähe.
Wie Teilen Vertrauen schafft
In einer funktionierenden Nachbarschaft helfen sich die Leute gegenseitig. Man passt auf die Wohnung auf, wenn jemand in den Ferien ist. Man leiht sich Werkzeug. Man schaut nach dem älteren Nachbarn.
Das funktioniert aber nur, wenn man sich kennt und vertraut.
Teilen ist ein niedrigschwelliger Weg, dieses Vertrauen aufzubauen. Es ist konkret, es ist unverbindlich, es erfordert kein grosses Commitment. Aber es öffnet Türen.
Der Nachbar, dem du letztes Jahr den Stuhl geschenkt hast, wird vielleicht zum Nachbarn, der dir beim Umzug hilft. Nicht garantiert, aber möglich.
Die Schweizer Besonderheit
In der Schweiz ist die Nachbarschaftskultur regional sehr unterschiedlich.
In ländlichen Gebieten kennt man sich oft noch. Die Dorfgemeinschaft funktioniert, man hilft sich aus, man leiht und teilt.
In den Städten ist es anonymer. Die Leute kommen von überall her, sie ziehen oft um, die Fluktuation ist hoch. Echte Nachbarschaft muss aktiv aufgebaut werden.
Das ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Wer in einer Stadt Community will, muss sie selbst schaffen. Teilen ist ein Anfang.
Über den materiellen Nutzen hinaus
Es geht nicht nur darum, Geld zu sparen oder Sachen zu bekommen. Es geht um etwas Grösseres.
Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen Verbindungen, Zugehörigkeit, das Gefühl Teil von etwas zu sein. In einer Welt, die immer individualistischer wird, bieten lokale Communities einen Gegenpol.
Wenn ich weiss, dass um mich herum Leute wohnen, die ähnlich denken – die lieber teilen als wegwerfen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, die offen für Kontakt sind – dann fühle ich mich weniger allein.
Das klingt vielleicht pathetisch. Aber ich meine es ernst.
Wie du anfangen kannst
Falls dich das anspricht und du mehr Nachbarschaft in deinem Leben willst, hier ein paar Ideen.
Fang mit Teilen an. Wenn du etwas loswerden willst, biete es erstmal lokal an. Auf PIKITUP siehst du, wer in deiner Nähe ist. Vielleicht ist dein nächster Abholer dein Nachbar.
Sei offen beim Abholen. Wenn du etwas abholst, nimm dir einen Moment für ein kurzes Gespräch. Nicht aufdringlich, aber freundlich. "Danke, das Ding ist genau was ich gesucht habe. Wohnen Sie schon lange hier?"
Mach den ersten Schritt. Wenn du siehst, dass ein Nachbar umzieht, frag ob du helfen kannst. Wenn du zu viel gekocht hast, klingel nebenan und frag ob jemand was will. Kleine Gesten, grosse Wirkung.
Fazit
Nachbarschaftshilfe ist kein nostalgisches Ideal aus einer vergangenen Zeit. Es ist eine bewusste Entscheidung, wie wir zusammenleben wollen.
Teilen ist ein einfacher Einstieg. Es kostet nichts, es hilft anderen, und es schafft Verbindungen. Alles Gute Gründe, es zu tun.
Auf PIKITUP versuchen wir, genau das zu fördern. Lokal teilen, lokal verbinden. Schau vorbei – vielleicht findest du nicht nur eine neue Sache, sondern auch einen neuen Bekannten.
Wie ist die Nachbarschaft bei dir? Schreib mir – hello@pikitup.com