Als ich vor drei Jahren nach Zürich gezogen bin, stand ich vor einer leeren Wohnung und einem nicht ganz so vollen Bankkonto. Die Lösung schien einfach: IKEA. Aber dann hat mir ein Kollege erzählt, dass er sein halbes Wohnzimmer gratis zusammengesucht hat. Ich war skeptisch – bis ich es selbst probiert habe.
Heute möchte ich keinen perfekt polierten Ratgeber schreiben, sondern einfach erzählen, was ich gelernt habe. Vielleicht hilft es dir, ein paar Franken zu sparen und nebenbei etwas Gutes für die Umwelt zu tun.
Mein erster Fund: Ein Sofa, das niemand wollte
Es war ein Samstagnachmittag im September. Ich scrollte durch eine lokale Facebook-Gruppe und sah ein Posting: "Graues Sofa, muss heute noch raus." Die Fotos sahen okay aus, also schrieb ich spontan. Zwei Stunden später sass ich auf meinem "neuen" Sofa.
Das Ding hatte ein paar Gebrauchsspuren, klar. Aber es war bequem, sauber und – das Wichtigste – es war umsonst. Der Vorbesitzer zog ins Ausland und hatte schlicht keine Zeit, es zu verkaufen. Seine Zeitnot war mein Glück.
Dieses Erlebnis hat bei mir einen Schalter umgelegt. Seitdem kaufe ich kaum noch Möbel neu. Nicht weil ich geizig bin, sondern weil es schlicht unnötig ist.
Wo die Schweizer ihre Sachen verschenken
Die Schweiz ist ein reiches Land. Das bedeutet auch: Es wird viel weggeworfen. Aber immer mehr Leute denken um und verschenken, statt zu entsorgen. Die Frage ist nur, wo du diese Angebote findest.
Am Anfang habe ich hauptsächlich Facebook-Gruppen genutzt. Das funktioniert, hat aber einen grossen Nachteil: Du musst ständig scrollen und hoffen, zur richtigen Zeit online zu sein. Wenn du eine Stunde zu spät schreibst, ist das gute Sofa schon vergeben.
Dann gibt es Plattformen wie tutti.ch, wo man nach "gratis" filtern kann. Auch okay, aber unübersichtlich und mit viel Spam durchsetzt.
Was mich am meisten gestört hat: Ich wusste nie, was gerade in meiner Nähe verfügbar ist. Ich wollte nicht quer durch die Stadt fahren für einen Stuhl. Deshalb haben wir PIKITUP gebaut – eine Karte, auf der du sofort siehst, was um dich herum verschenkt wird. Aber dazu später mehr.
Was du realistisch gratis findest
Lass mich ehrlich sein: Du wirst nicht jeden Tag ein Designer-Sofa finden. Aber du wirst überrascht sein, was alles verschenkt wird.
Möbel sind der Klassiker. IKEA-Regale gibt es gefühlt an jeder Ecke – kein Wunder, die Hälfte der Schweiz hat ein Billy zuhause. Tische, Stühle, Kommoden, manchmal sogar ganze Schlafzimmer-Sets. Die Qualität variiert, aber mit etwas Geduld findest du echte Perlen.
Elektronik ist schwieriger. Niemand verschenkt sein neues iPhone. Aber funktionsfähige Fernseher, ältere Laptops, Drucker, Küchengeräte – das alles taucht regelmässig auf. Wichtig: Immer testen, bevor du es mit nach Hause nimmst.
Kleidung und Bücher sind fast immer verfügbar. Besonders Kinderkleider werden ständig weitergegeben, weil Kinder so schnell rauswachsen. Bücher sowieso – wer liest schon einen Roman zweimal?
Der richtige Zeitpunkt macht den Unterschied
Nach ein paar Monaten habe ich Muster erkannt. Ende Monat explodieren die Angebote förmlich. Logisch: Umzüge finden meist zum Monatswechsel statt, und plötzlich müssen Möbel weg, die nicht ins neue Zuhause passen.
Der Frühling ist auch interessant. Frühjahrsputz ist keine Erfindung – im März und April räumen die Leute aus, was sich über den Winter angesammelt hat.
Und dann gibt es noch die Studentenstädte. Zürich, Bern, Lausanne – wenn im August und September das Semester losgeht, ziehen tausende Studenten um. Viele geben ab, was sie nicht mehr brauchen. Gleichzeitig suchen die Neuen nach günstiger Einrichtung. Ein perfekter Kreislauf, wenn du weisst, wann du schauen musst.
Worauf ich achte, bevor ich etwas mitnehme
Am Anfang war ich zu enthusiastisch. Wenn etwas gratis war, nahm ich es mit. Die Folge: Eine Wohnung voller Zeug, das ich nicht brauchte. Eine Stehlampe, die zu meinem Stil passte wie Ketchup zu Fondue. Ein Regal, für das ich keinen Platz hatte.
Mittlerweile stelle ich mir vor jeder Abholung drei Fragen:
Brauche ich das wirklich, oder finde ich es nur cool, weil es gratis ist? Dieser Unterschied ist wichtiger, als man denkt. Gratis ist kein Grund, sich den Keller vollzumüllen.
Habe ich Platz dafür? Klingt banal, aber ich habe einmal ein Bücherregal abgeholt, das nicht durch meine Wohnungstür passte. Das war ein lehrreicher Nachmittag.
Wie transportiere ich es? Ein Sofa zu verschenken ist super – aber wenn du kein Auto hast und der nächste Freund mit Kombi in Basel wohnt, wird es kompliziert. Manchmal lohnt es sich, einen Transporter zu mieten. Manchmal ist das Angebot den Aufwand aber auch nicht wert.
Das Problem mit dem Transport
Apropos Transport: Das ist wahrscheinlich die grösste Hürde beim Gratis-Möbel-Sammeln. Nicht jeder hat ein Auto, und selbst wenn – ein KALLAX-Regal passt nicht in jeden Kofferraum.
Was mir geholfen hat: Ein Netzwerk aufbauen. Ich kenne jetzt zwei, drei Leute mit grossen Autos, die ich bei Bedarf fragen kann. Im Gegenzug helfe ich beim Tragen oder bringe beim nächsten Mal Bier mit. So funktioniert Community.
Für grössere Sachen gibt es auch Mobility-Transporter, die man stundenweise mieten kann. Kostet vielleicht 40-50 Franken für einen halben Tag, aber wenn du dadurch Möbel im Wert von mehreren Hundert Franken bekommst, ist das immer noch ein guter Deal.
Warum ich angefangen habe, selbst zu verschenken
Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mehr Zeug hatte als Platz. Und anstatt es zu entsorgen, habe ich es verschenkt. Das war fast so befriedigend wie das Finden.
Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass dein alter Schreibtisch jetzt bei einer Studentin steht, die sich keinen neuen leisten kann. Oder dass deine ausgelesenen Bücher bei jemandem landen, der sie tatsächlich liest.
Die Schweiz wirft jedes Jahr Millionen Tonnen brauchbarer Sachen weg. Das ist nicht nur ökologisch fragwürdig, es ist auch einfach schade. Jedes Möbelstück, das weiterverwendet statt entsorgt wird, ist ein kleiner Sieg.
Was ich dir mitgeben möchte
Wenn du noch nie Gratis-Sachen gesucht hast, probier es einfach mal aus. Du musst nicht gleich deine ganze Wohnung so einrichten. Fang mit einer Kleinigkeit an – vielleicht ein Bücherregal oder ein paar Pflanzen.
Du wirst überrascht sein, wie viel in deiner Nachbarschaft verschenkt wird. Und du wirst Leute kennenlernen, die ähnlich denken wie du. Menschen, die lieber teilen als wegwerfen. Das ist eine Community, zu der ich gerne gehöre.
Auf PIKITUP versuchen wir, genau das einfacher zu machen. Eine Karte, auf der du siehst, was gerade um dich herum verfügbar ist. Kein Scrollen durch endlose Gruppen, kein Hin-und-Her-Schreiben. Einfach schauen, hingehen, mitnehmen.
Aber egal welche Plattform du nutzt – der wichtigste Schritt ist der erste. Also: Worauf wartest du?
Hast du eigene Geschichten über Gratis-Funde? Ich würde sie gerne hören. Schreib mir an hello@pikitup.com